Digitales Management – Zukunft oder Vergangenheit?

ValueMiner GmbH, Robert J. Schiermeier

Jeder kennt es: Smartphone in der einen Hand – das Tablet in der Anderen. Immer erreichbar, immer produktiv. Das ist Management im Digitalzeitalter. Oder etwa nicht?

Was ist eigentlich „digitales Management“?

In verschiedenen Pitches von Startups haben wir im letzten Quartal eine Reihe von digitalen Management Tools vorgestellt bekommen. Fast ausschließlich ging es dabei um Kommunikation, Reporting, Cost Forecast – kurz um noch mehr Information für den Manager.

Kein Lösungsvorschlag hatte auch nur annähernd etwas mit Management an sich zu tun, nämlich mit dem Führen und Priorisieren im Alltag. Denn dazu gehören je nach Situation höchst unterschiedliche Dinge. Mal gilt es für die Ausrichtung auf ein Ziel zu sorgen. Mal gilt es, die unterschiedlichen Interessen zu kanalisieren usw.

Die meisten Ideen drehten sich um die weitere Veränderung des Kommunikationsverhaltens – erreichbar und busy zu jeder Tageszeit. Damit wird weder das Management digitaler, geschweige denn besser.

Was also tun?

Auf einem C-Day in einer Schweizer Kaderschmiede wurde unlängst ein ganzer Vortragsstrang mit dem Thema „Digitales Management“ angeboten, dessen Quintessenz mit mehr Tools = besseres Management umschrieben werden kann.

Nachdem zum x-ten Mal Kollaboration und Kommunikation zu den Grundpfeilern der digitalen Revolution im Management erkoren wurden, meinte meine Nebenfrau, immerhin CEO eines der größten mittelständischen Unternehmens Süddeutschlands nur trocken: „Und wann wird geschafft?“.

Darauf meinte der Vortragende etwas irritiert, dass Kommunikation doch zentrale Führungsaufgabe sei und ohne Kommunikation keine Führung erfolgreich sein könne. Da keiner der Beiden vom Standpunkt des Anderen überzeugt war, führten wir diesen Dialog in kleiner Gruppe nach dem Vortrag weiter.

Das Fazit derselben bestätigte meine eigene Erfahrung und die Quintessenz mir bekannter, mehr oder weniger repräsentativer Umfragen in deutschen Großkonzernen und gehobenem Mittelstand.

Am Ende war man sich einig, dass je schwächer die jeweilige Führung wahrgenommen wird, desto mehr Zeit wird in Meetings verbracht. Wenn dann noch der Rest der Zeit am Smartphone verbracht wird und jeder mit jedem über alles redet und sich austauscht, sei das Alignment zwar großartig, aber „Keiner schafft mehr!“.

Klar ist Kommunikation zentraler Führungspfeiler, klar sind nicht die Smartphones an der Informationsflut schuld, aber die Fähigkeit des Managers, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden und umso mehr voranzutreiben wird so nur noch wichtiger.

Aus der Diskussion habe ich für meinen Führungsalltag 4 Punkte mitgenommen:

  1. Effektive Kommunikation basiert auf überlegtem Senden und konzentriertem Empfangen
  2. Kommunikation hat einen gezielten Zweck und muss überlegt erfolgen
  3. Manager müssen das Wesentliche aus dem Rauschen filtern und vorantreiben – dafür fehlt es an Unterstützung
  4. Managern fehlen in wesentlichen Alltagsbereichen digitale Helferlein die wirklich etwas bringen

Ich suche weiterhin nach Startups mit echter Innovation für den Managementalltag. Eins habe ich ja immerhin schon gefunden…

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von Robert J. Schiermeier