Digitalisierung - Kostenersparnis und Effizienzsteigerung?  Nein, es geht um´s Machen!

ValueMiner GmbH, Robert J. Schiermeier

Es ist doch wirklich immer dasselbe. Man denkt ein Event wird eher überschaubar interessant, die Beiträge hält man für austauschbar, also alles wie gehabt – gerade bei dem aktuellen Hype-Thema „Digitalisierung“. Obwohl die Redner außergewöhnlich hochkarätig sind, erwartet man im Kern doch „more of the same“.

Um die Zeit zu nutzen beginnt man die Emails und Nachrichten abzuarbeiten, hört nur mit halbem Ohr hin und stutzt zum ersten Mal als man das Stichwort „Kühe“ hört. Dann erfährt man, dass die Milchwirtschaft hohes Interesse an Digitalisierungsthemen hat. Man hört von dem innovativen Potential in einer Branche, die einem nie als Erstes zum Thema Innovation in den Sinn gekommen wäre. Man erfährt es zudem nicht in einem Züricher Innovationspalast oder am Google Campus, sondern auf einer Alm in der Innerschweiz - also quasi von Heidi´s Nachbarn. Der Fokus lag hierbei auf den Möglichkeiten und nicht auf Kostensparen oder auf digitaler Effizienzsteigerung.

Was einem in so einem Augenblick klar wird, ist die Präsenz bzw. das Potential der Digitalisierung für nahezu jede Organisation bzw. jedes Unternehmen. Man begegnet ihr wahrhaftig überall.

Genauso wie im zweiten Vortrag der die Reaktion einer ganzen Region der Schweiz auf den sich drohend öffnenden digitalen Graben zwischen eben dem Engadin und den Agglomerationen Zürich, Basel, Genf und Bern. Also eine regionale Initiative um Abwanderung von jungen innovativen Menschen und Firmen entgegenzutreten. Hierbei schaffen Kommunen, Firmen und Privatleute die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft einer ganzen Region.

Dies hat mir den eigentlichen Kern von Veränderung wieder ins Gedächtnis gebracht. Nämlich dass dabei neue Möglichkeiten geschaffen werden. Ich will jetzt gar nicht mit Sprüchen wie „jede Veränderung ist auch eine Chance“ anfangen, sondern dass die Veränderung nur zum Problem wird, wenn man sie nicht annehmen kann oder will. Und schon ist man bei den alten Dimensionen jedes Change Prozesses, dem „Skill“ und „Will“ Aspekt.

Das Gute an dieser Veränderung? Es ist für die meisten Neuland. Damit ist vor allem der „Will“ Aspekt entscheidend. Ob man die Veränderung annehmen will? Ob man die notwendigen Skills aufbauen will? Der Skill Aspekt ist dabei so dynamisch, dass es nach Meinung der anwesenden CEO´s eher um die Fähigkeit und das Mindset ging, sich das notwendige Wissen oder die Skills stetig neu zu erarbeiten, als um das richtige Skillset zu definieren und zu akquirieren.

Damit ist Digitalisierung faktisch „nur“ eine weitere Komponente im VUCA Umfeld. Und somit ist die eigentliche Challenge die agile Transformation zu bewältigen, die in diesem Kontext das Überleben sichert.

Vereinfacht ist Digitalisierung nur eine weitere Herausforderung in einer Reihe von vielen und wie früher gilt: Wer den Zug verpasst bleibt oft alleine am Gleis zurück! Aber aktuell fahren stetig neue Züge los. Nur einen sollte man halt dann doch erwischen.

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von Robert J. Schiermeier