OKR - nur ein neuer Hype?

ValueMiner GmbH, Florian Stillger

Beschäftigt man sich intensiver mit OKR (Objectives Key Result - dt. Ziel, zentrales Ergebnis) oder mit Managementsystemen und Führung allgemein, so erschließt sich schnell: Nichts komplett Neues und doch ein wichtiger nächster Schritt. Verschiedene Komponenten des Konzepts findet man so im Management by Objective (MbO), SMART Zielsystemen, Balanced Scorecard Konzepten und deren KPI Systemen wieder. 
So bleiben die folgenden Fragen offen: Was ist neu an OKR? Ist OKR für jede Art von Firma geeignet - Konzern, Startup oder Mittelstand? Was ist mit Familienunternehmen? 
Die konkrete Antwort verlangt zunächst nach einem kurzen Überblick über OKR als Konzept.

OKR - Kurz und Knapp!
OKR = acronym: Objectives and Key Results, eine zielführende deutsche Übersetzung für diese Management Methode findet man so leicht nicht. Daher lassen Sie uns die Begriffe lieber anhand der Inhalte definieren und uns so an sie annähern:
O - Objective: Das Ziel
im traditionellen, unternehmerischen Führungskonzept vor allem das Unternehmensziel, also ein definierter, erstrebenswerter Zustand den es zu erreichen gilt. 
Beispiel: Rendite, Marktpenetration, Mitarbeitermotivation usw.
im OKR Konzept auch Ziele auf anderen Führungsebenen oder im Portfoliomanagement
Beispiel: Softwareplanung, Projektsteuerung im Agile Modus usw.
KR - Key Result: Das notwendige Ergebnis
im traditionellen unternehmerischen Konzept der Beitrag von Abteilungen
Beispiel: Umsatz, Kosten, Marktanteile usw.
im OKR Konzept auch Beitrag von Teams, Individuen, Teilprojekten usw.

OKR ist also ein erweiterter Ansatz, um im Extremfall alle Mitarbeiter eines Unternehmens so auszurichten, dass Ihre Beiträge messbar dem gemeinsamen Unternehmensziel zuträglich sind. Die Parallelen zu Management by Objective, SMART-Goals, Balanced Score Card usw. stechen unweigerlich ins Auge. So, was ist neu?

Faktisch die Beschränkung auf wenige, wichtige Ziele und Fokussierung des Unternehmens über verschiedene Hierarchiestufen hinweg. Je nach Ausgestaltung beschränkt man sich für einen Zeitraum von z.B. 2, 3 oder 4 Monaten auf wenige, kommunizierte Ziele und mit konkreten, messbaren notwendigen Ergebnissen. Also fokussiert sich das Team um sich herum massiv. 
Für einige Anwender dieser Methodik drängt sich zudem der Vergleich mit traditionellen Familienunternehmen und Unternehmen des Mittelstands auf. Hier findet oft durch die starke Ausrichtung auf eine Unternehmerpersönlichkeit, die die Unternehmensziele faktisch verkörpert und mit klarem Fokus eine direkte Ausrichtung der Aktivitäten im eigenen Unternehmen vorantreibt.

OKR - Was bringt es dem Eigentümer, dem Unternehmen, der Führungskraft, dem Mittarbeiter:
Wie so oft liegen die größten Vorteile oder Benefits auf der Hand und werden alleine dadurch realisiert, dass man Ziele klar definiert, kommuniziert und kontrolliert. Also das kleine Management „Einmaleins“. 

Nutzen von OKR (Auszug):

  • Kommunikation wird vereinfacht
  • Relevante Aktivitäten werden kanalisiert
  • Beitrag von Aktivitäten zum Unternehmensziel/ Abteilungs-/ Teamzielen werden klar
  • „Künstliche“ Beschränkung/ Verknappung erhöht den Fokus auf ausgewählte Ziele

OKR spart also faktisch Ressourcen, da das „Alignement“ - die Ausrichtung - des Unternehmens steigt. Damit Ressourcen transparenter eingesetzt werden, die Kreativität erhöht wird, damit man weiß, wozu man beiträgt und Fehlsteuerung dokumentiert ist und korrigiert werden kann ohne langwierige Suche nach den Ursachen.
OKR schafft also Alignement, Fokus, Effektivität, Effizienz und Transparenz. 
Und hier beginnen die Schwierigkeiten.

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by Robert J. Schiermeier