Visualisierung - Manet und Management

ValueMiner GmbH, Robert J. Schiermeier

Schon als Kind faszinierte mich die Frage, wie andere Menschen Dinge wahrnehmen - Farben, Formen, Größen oder einfach Aufgaben. Später fand ich es faszinierend, wie Impressionisten nicht mehr abbildeten, sondern interpretierten. Es ging nicht mehr um kleinste Details, sondern um relevante Dinge (mehr oder weniger). So transformierten Manet und Andere neutrale Realität in ihre eigene Wirklichkeit. Schwierig ist dabei jedoch, wie tauscht man diese aus, wenn man nicht Malen kann wie Manet oder schreiben wie Zweig? Viele Managementtrainer mit denen wir uns im Alltag austauschen, haben eine zunächst simple und doch so schwierig umzusetzende Antwort: „Visualisieren Sie mehr!“

Wie die Impressionisten müssen Führungskräfte täglich Ihrer Interpretation von Zahlen, Daten oder Fakten vertrauen und daraus Entscheidungen ableiten. Dabei versuchen soll einfach, verständlich und doch umfassend informiert werden. Meist verwendet man Slides, Grafiken oder andere Hilfsmittel. Im Unternehmensalltag ist bereits die Visualisierung von Daten und Prozessen allgegenwärtig. Nur im täglichen Managementprozess fehlt oft diese Transparenz und zwar nicht für eine Präsentation oder einen Pitch, sondern laufend. Wie soll man sonst den Überblick behalten bei steigender Komplexität und Vernetzung der Komponenten. Waren vor 10 Jahren „nur“ ca. 100.000 Schaltvorgänge notwendig, um von Zürich nach Bern mit dem Zug zu reisen, so sind es heute mehr als das Doppelte. Nicht weil das Bahnfahren neu erfunden wurde, sondern weil die Zahl der Abhängigkeiten gestiegen ist.

Dabei sind Verständlichkeit, Zugänglichkeit, Aktualität und ähnliche, weitere Punkte von großer Bedeutung. Meiner Erfahrung nach werden diese jedoch bereits von den meisten Konzepten adressiert oder hängen von den Akteuren ab.

Was meistens im Management Alltag fehlt, ist

  1. Geringer Aktualisierungsaufwand
  2. Verbindung Teilen mit dem Ganzen aufzeigen
  3. Kollaborationsfähigkeit

Der Geringe Aktualisierungsaufwand ist wohl am einfachsten am Beispiel eines großen deutschen Elektro Konzerns zu erklären. Eine Führungskraft wollte die Abhängigkeiten im eigenen Bereich visualisieren. Als nach mehreren Monaten und dem Einsatz externer Berater das Ergebnis fertiggestellt war – war es bereits überholt. Die Übung hatte zwar Erkenntnisse ermöglicht, die grundsätzlicher Natur waren, aber eine aktuelle dynamische Sicht auf die Dinge war nicht möglich.

Viele Visualisierungen fokussieren auf einen Teil zu Lasten des Ganzen oder auf das Ganze zu Lasten von Details. Dabei gibt es bereits Tools, die einen „Drill-Down“ ermöglichen und so sowohl z.B. eine Analyse von Abhängigkeiten auf der echten Wirkungsebene ermöglichen ohne den strategischen Überblick zu verlieren. So wird auch in VUCA Situationen adäquates Handeln ermöglicht.

Beim Visualisieren geht es um Austausch von Perspektiven. Nur wie soll die individuelle Erfahrung und Interpretation einzelner Mitarbeitender oder von ganzen Gruppen zusammengeführt werden ohne das der Austausch zum Selbstzweck wird und möglichst effizient erfolgt? Man bedient sich einer gemeinsamen Sprache. Dann kann tatsächlich gemeinsam an den Aufgaben gearbeitet werden und die Botschaft wird auch nach Tagen und Wochen noch verstanden. Das ist aus unserer Sicht der wichtigste Faktor bei der Visualisierung. So wird sichergestellt, dass Teilnehmer wirklich in dem gemeinsamen Bild weitgehend dasselbe sehen.